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Elephant - ein Spielzeug für Kinder, 1879

Das erste Weihnachten als Tante steht vor der Tür, auch wenn es noch über einen Monat hin ist, kann man nicht früh genug damit beginnen, die Geschenke zu besorgen. Auch dieses Jahr werde ich meiner Nichte ein Kuscheltier nähen. Aber dieses Mal habe ich ein ganz berühmtes Vorbild: Margarete Steiff.

Da ich auch Modejournale sammle, habe ich in einem meiner Journale doch tatsächlich jenen Elephanten gefunden, den sie 1880 als Plüschtier aus Filz hergestellt hatte. Das Schnittmuster hat sie womöglich (ich weiß nicht, ob es auch in anderen Journalen veröffentlicht wurde) in der Illustrierten Frauen-Zeitung vom 8. Dezember 1879 entdeckt gehabt.

Elephant

Laut Beschreibung war angedacht, den Elephanten aus grauem Futterbarchent gefertigt und mit Werg (Abfall von Bastfasern wie Leinen, Hand oder Jute) gestopft. Außerdem sollte farbiges Tuch für die Schabracke (Decke mit Sattel) verwendet werden und knöcherne Stricknadeln für die Zähne und schwarze Porzellanknöpfe für die Augen. Nun da ich den Elephanten nicht historisch korrekt nachnähen möchte, zur Sicherheit werde ich keine Stricknadeln verwenden und auch auf Porzellanknöpfe werde ich verzichten, sofern ich nicht passende niedliche aus anderem Material finde. Statt Werg werde ich Kleinkindgeeignete Stopfwolle verwenden und statt Barchent werde ich Plüsch verwenden, vor allem da Barchent äußerst schwer zu finden ist.
Elephant
Doch der erste Schritt besteht darin, den Schnitt von einer Größe von 5,5 x 2,5 cm auf eine handhabbare Größe zu bekommen. Ich hatte zunächst daran gedacht, ihn einfach vergrößert zu zeichnen, aber irgendwie ist mir das nicht so gut gelungen, also habe ich die Schnittübersicht abfotografiert und vergrößert ausgedruckt, der erste Versuch wäre zu groß geworden und der zweite Anlauf brachte eine gute Größe hervor. Unter dem Link "Schnittübersicht" könnt ihr euch den Schnitt auch ausdrucken und ebenfalls nähen. Die Anleitung folgt hier Schritt für Schritt, wenn ich den Elephanten angefangen habe, sobald der Stoff da ist: (Ich gebe Sie in der original Schreibweise wieder, also nicht wundern, lediglich Verweise in Klammern sind meine modernen Hinzufügungen)

Material: 67 Cent. grauer Futterbarchent, etwa 1 Kilo Werg, 1 Stückchen farbiges Tuch oder Kaschmir (für die Schabracke); ferner zwei je 10 Cent. lange, weiße hölzerne Stricknadeln, zwei schwarze Porzellanknöpfe, farbige Seide.

Ein hübsches, von den "Kleinen" gewiß mit Jubel begrüßtes Spielzeug, daß von den Tanten und Müttern für Ihre Lieblinge unschwer anzufertigen ist, bringen wir mit dem Elephanten, (Abb. ganz oben). Aus grauem Futterbarchent mit fester Wergfüllung hergestellt, steht der Elephant so sicher, daß er auch als Fußbank verwendet werden könnte. Den verschiedenen Schnittheilen gilt die Schnitt-Übersicht, (Abb. unten und obiger Link). Mit Berücksichtigung der Elephant
darauf angegebenen, punktierten Hilfslinien und Maßangaben dürfte die Anfertigung derselben keine große Mühe verursachen. Beim Zuschneiden der einzelenen Theile - es sind zwei von I, und einer von II, letzterer in doppelter Lage - siehe die Bruchlinie, je vier von III und IV erforderlich - hat man zu beachten, daß der Strich des Barchents , dessen haarige Seite als Außenseite des Elephanten zu nehmen ist, überall nach unten gehe. Je durch feste auf der glatten Seite des Barchents auszuführende Nähte fügt man zunächst die beiden, nach I geschnittenen Theile von a bis b über die gerundete Außenseite und um den Rüsseltheil zusammen, diesen schließt sich, wie auf Abb. 106 ersichtlich, der mit dem Schlitz versehene Theil II den gleichlautenden Zeichen entsprechend an.Elephant

Hat man alsdann die Beine unten durch die Sohlentheile (IV) geschlossen, wird die soweit fertige Elephanten=Hülle durch den offen gebliebenen Schlitz (längs der Bruchlinie) umgekehrt.

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Hierauf schiebt man an der auf Abb. 105 ersichtlichen Stelle durch kleine vorgebohrte Lächer die Fangzähne (Anm.: auf die Stoßszähne werde ich verzichten, da der Elephant für ein nicht ganz einjähriges Kind ist) ein und verbindet diese innerhalb der Hülle durch einen 4 Cent. langen starken Faden. Dann erst wird die Füllung mit Werg vorgenommen (Anm.: Ich habe moderne Plüschfüllung verwendet, denn das Tier soll waschbar sein), und zwar hat man zunächst den Rüssel und dann die Beine recht fest zu stopfen, bevor der Leib gefüllt wirdElep; eine überwendliche Naht schließt den Schlitz.
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(Anm.: Irgendwie ist die Form nicht so wie erhofft, er sieht etwas unförmig aus, aber er ist ja noch nicht einmal ansatzweise fertig)

Da ich mit dem Ergebnis nicht wirklich glücklich war, zu kurze Beine, keinen richtigen Hals, die Fußsohlen waren beulig, habe ich die Hülle noch einmal gewendet und die Nahtzugabe weggeschnitten und dann mit schnmaler Naht per Knopflochstich erneut zusammengenäht. Und das Ergebnis sieht schon besser aus und fand bei meiner Mama und meiner Schwägerin Zustimmung. Der Unterschied ist auf jeden Fall sichtbar. Elephant

Zwei schwarze runde Knöpfe ergeben die Augen, welche eine Tintenlinie unterhalb vervollständigt. Für den Ansatz der nach Fig. III in doppelter Stofflage, deren Verbindung eine verkürzte Naht übernimmt, herzustellenden Ohren gilt die feine glatte Linie an Fig. I. Den nach Anleitung der Abb. 105 anzufügende Schwanz bildet ein 14 Cent. langer, 3 Cent. breiter, zusammengenähter und umgekehrter Stoffstreifen.

ElephantAnstelle von Knöpfen habe ich die Augen mit sechs-strängigem Sticktwist gestickt. Kmöpfe waren wir dann doch etwas zu riskant, nicht, dass die kleine Maus die Augen irgendwann abrupft.

Anschließend habe ich wieder, entsprechend der Anlage die Ohren genäht und angebracht. Den Schwanz habe ich allerdings nicht aus Stoff, sondern aus einer gedrehten Baumwollkordel gefertigt.

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Und weiter geht es mit der Schabracke und dem Gurt dafür.

Eine nach Fig. V eingerichtete Schabracke aus rothem Kaschmir mit Gazefutter und einer rings 2 Cent. kleineren, von Spitzenstichen verzierten Tuchauflage  wird durch einen 4 Cent. breiten, 32 Cent. langen Gurt befestigt.

Ich habe die Schabracke aus gelbem Plüsch und rotem  Popeline angefertigt. Mein Elefant ist nun fertig und wartet darauf, dass das Christkind den Kleinen an meine Nichte weiterreichen kann.

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