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Weihnachtswunder
Leise rieselte der Schnee auf die Straßen, wo er im warmen Licht der Laternen, wie ein Meer aus Diamanten glitzerte. Missmutig ging Erik durch die verschneiten Straßen von Paris, er wollte diesem alljährlichen Weihnachtstrubel einfach nur entgehen. Er hasste es, denn er konnte sich nicht an ein einziges Weihnachten erinnern, dass ihm irgendwie Freude bereitet hätte. Nie hatte er eine Weihnachtsmesse besucht, als Kind nicht, weil seine Mutter ihn nie mitgenommen hatte und später nicht, weil er die Menschen verachtete und es würde wohl kaum eine Weihnachtsmesse geben ohne Menschen. Nie hatte er ein Weihnachten als das Fest der Liebe empfunden, denn für ihn gab es scheinbar keine Liebe. Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte er an ein schönes Weihnachten geglaubt, aber da war er für Christine noch der Engel der Muse und der Mann, der sie entführt und ihren Liebsten mit dem Tode bedroht hatte, hatte seine Träume auf friedliche Weihnachten zu Nichte gemacht.

Erik, warum feiern sie Weihnachten nicht mit uns?“, fragte Jules zum wiederholten Mal, da Erik ihm scheinbar nicht zuhörte.

Jules, ihre Frau wird mich genauso gern an ihrer Weihnachtstafel haben wollen, wie Christine mich in ihrem Leben wollte.“, entgegnete er zynisch und starrte über die Seine.

„Was haben sie nur gegen Weihnachten?“, meinte Jules traurig und erwartete nicht wirklich eine Antwort.

Ich habe Weihnachten noch nie gemocht.“, log Erik und zog seinen breitkrempigen Hut noch tiefer ins Gesicht. „Und nun reden wir nicht mehr davon.“ Erik wollte sich einfach nicht eingestehen, wie sehr er sich wünschte mal ein richtiges Weihnachten zu erleben. Mit einem geschmückten Tannenbaum, einem Festessen, Weihnachtsliedern, einem Weihnachtsscheit im Kamin und vor allem mit Christine.

Doch dies würde nur ein Traum bleiben, denn Christine war nun schon seit einem halben Jahr beim Vicomte und im Januar würde sie seine Frau werden. Er wusste bis heute nicht, wie er die vergangenen Monate überhaupt ausgehalten hatte. Wahrscheinlich weil Jules ihn mit Aufträgen für Häuser von Neureichen eingedeckt hatte und ihm den Vorschlag unterbreitet hatte, ein altes Haus mit großzügigem Anwesen in der Stadt zu erwerben, in das er noch zu Weihnachten würde einziehen können. Aber was war das schon für ein Leben?

* * *


Es war am Tag vor Weihnachten, als Erik an der Madeleine vorbei ging und die leisen Töne von Bachs Weihnachtsoratorium vernahm. Zweifellos ein Meisterwerk kirchlicher Musik und Erik konnte sich der Magie, die von Bachs Werk ausging, nicht entziehen. Wie automatisch trugen seine Füße ihn die Treppe empor und in die herrliche Kirche hinein.

Den Kragen seines Umhangs hochgestellt suchte er sich eine dunkle Ecke und lauschte der Musik, während er seine Umgebung beobachtete. Hier, in diesem majestätischen Gebäude, hatte er Christine heiraten wollen, ging es ihm durch den Kopf, als er den großen Altar erblickte. Er beobachtete die Menschen in seiner Nähe und stellte erleichtert fest, dass man keinerlei Notiz von ihm nahm. So lehnte er sich gegen die Wand und entspannte sich. Genüsslich schloss er die Augen und gab sich ganz den Klängen der Musik hin.

Das Oratorium war beinah zu Ende, als sich eine Murmeln erhob. Alarmiert richtete sich Erik auf und versuchte den Grund für die Unruhe ausfindig zu machen. Sein Blick wanderte den Gang entlang, als er eine junge Frau bemerkte, die aus der Kirche eilen wollte, dabei jedoch von einem jungen Mann aufgehalten wurde. Zumindest versuchte dieser die junge Frau am Gehen zu hindern.

Erik konnte die Frau nicht erkennen, da die Kapuze ihres schlichten Capes tief ins Gesicht gezogen war, den jungen Mann jedoch würde er immer wieder erkennen. Es war der Vicomte de Chagny und die Frau, die gehen wollte, musste Christine sein, daran bestand für Erik kein Zweifel.

Im Stillen fragte er sich, was Christine fehlte, das sie schon gehen wollte. Vor seinen Augen sah er sie, wie sie mit Meg Giry herumalberte und fröhlich lachte, wieder fühlte er diesen stechenden Schmerz in seinem Herzen, wie er ihn oft seit sie fort war spürte und er wusste, er würde diesen Schmerz nie überwinden und gewiss würde er eines Tages an diesem Schmerz zugrunde gehen.

Noch bevor Christine den Ausgang erreichte, war Erik bereits in die Dunkelheit geflüchtet. Draußen hatte er sich in den Schatten einer Säule versteckt und Christine beobachtet.


Vor Angst zitternd schaute sie sich um. Sie hatte raus gemusst, die missbilligenden Blicke der anderen, weil sie ihre Kapuze nicht hatte abnehmen wollen, hatte sie nicht länger ertragen können. Sie wäre viel lieber zu Hause geblieben, aber Raoul hatte sie gezwungen. Er hatte gemeint, dass er sich schließlich mit seiner Verlobten zeigen musste und es war ihm völlig egal gewesen, wie sie aussah.

Erik traute seinen Augen nicht, als sich Christine umgedreht hatte. Für einen kurzen Augenblick hatte er in ihr Gesicht blicken können und war entsetzt. Ihr Engelsgesicht war von mehreren Blutergüssen überzogen, die zwar schon abklangen, aber dennoch gut sichtbar waren. Das war unmöglich, versuchte sich Erik einzureden. Raoul konnte sie unmöglich geschlagen haben, schließlich hatte der junge Mann ihm versprochen seinen Engel zu beschützen. Gerade hatte er zu ihr gehen wollen, als sie hastig ihre Röcke raffte und davon eilte.

Wie versteinert stand Erik da und sah zu, wie sie von der Dunkelheit verschluckt wurde. Einen Moment überlegte er noch auf Raoul zu warten und den Mann zur Rede zu stellen, entschied sich dann jedoch dafür zu gehen. Erst hatte er in seine Wohnung zurückgehen wollen, hatte sich dann jedoch für einen kleinen Spaziergang entschieden.

Er wollte darüber nachdenken, wie er Christine aus Raouls Leben herausbekommen könne, aber seine Gedanken wollten nicht so, wie er wollte. Stattdessen entführten sie ihn in seine Vergangenheit, in jene Zeit, in der er noch bei seiner Mutter gelebt hatte.

* * *


Wiedereinmal war es Weihnachten, seine Mutter war in der Küche verschwunden, wo sie ein kleines Weihnachtsessen herrichtete. Wie jedes Jahr würde Pater Mansart zu ihnen zum Essen kommen. Erik saß derweil am Kamin und zeichnete wieder. Er langweilte sich schrecklich und schaute sich im Raum um. In einer Ecke stand der große Weihnachtsbaum, geschmückt mit Äpfeln, roten Schleifen, bunten Glaskugeln und Strohfiguren. Vereinzelt hatte seine Mutter auch Kerzen in die Äste gebunden, die, wie sie ihm erklärt hatte, erst später angezündet werden würden. Auf einem kleinen Beistelltisch lag ein kleines Geschenk für ihn, ein neuer Zeichenblock, neue Stifte und Schal und Handschuhe, damit er nicht fror, wenn er draußen mit Sally spielte.


Ab und an kam seine Mutter ins Wohnzimmer, um nachzusehen, dass er auch keine Dummheiten anstellte und damit es nicht so aussah, als würde sie ihn kontrollieren, deckte sie bei diesen Gelegenheiten den Tisch ein. Mit Argusaugen beobachtete sie dann immer, wie ihr Sohn am Boden lag und zeichnete.


Als sie wieder verschwunden war, hatte er sich heimlich aus dem Kasten im Schrank eine lange dünne Kerze geholt und hatte sie im Kamin entzündet. Wie gebannte hatte er in die Flamme gesehen und hatte nicht einmal mitbekommen, wie Pater Mansart gekommen war. Gerade als die Tür aufging und seine Mutter das Zimmer betrat, sprang er auf und stellte sich, die Kerze hinter seinem Rücken verbergend, vor den Weihnachtsbaum.


„Bonsoir, Erik.“, begrüßte der Pater den Jungen, der vor dem Baum wie ein kleiner Engel aussah.


„Bonsoir Pater.“, grüßte Erik brav, als die Flamme der Kerze gegen den Baum kam und ihn anzündete.


Madeleine roch etwas Verbranntes und fürchtete schon ihr Braten sei verdorben, doch da sah sie ein schlimmeres Übel.


„Gott. Der Baum brennt.“, rief sie entsetzt und bedachte ihren Sohn mit einem vernichtenden Blick, ehe sie in die Küche eilte, um Wasser zu holen. Der Pater folgte ihr und Erik warf erschrocken die Kerze in den Kamin und hockte sich in eine dunkle Ecke, denn gewiss würde seine Mutter ihm die Schuld geben.


* * *


Zumindest war es danach nicht mehr langweilig, geisterte es Erik durch den Kopf, das war das letzte Weihnachten gewesen, das er bei seiner Mutter verbracht hatte, im Sommer danach war er fortgegangen.

Es hatte wieder zu schneien begonnen und auch der Wind war eisiger geworden, als sich um Mitternacht die Glocken aller Pariser Kirchtürme zu einem freudigen Klang erhoben und die Geburt des Heilands verkündeten. Erik schlich in seine Wohnung, um die letzten Sachen zu holen und dann, unbemerkt von den Nachbarn, in sein neues Heim ziehen. Ayesha würde dort bestimmt schon auf ihn warten und hatte sich wahrscheinlich schon ein Lieblingsplätzchen ausgesucht.

Die vertraute Dunkelheit der Kellergewölbe umfing ihn und sofort merkte er, dass die kleine Laterne verschwunden war. Sein erster Gedanke galt einem der Bühnenarbeiter oder einem der Heizer, der sich hierher verirrt haben könnte. Wütend eilte er zum See hinab, doch als er dort ankam, war auch das Boot verschwunden. Seine Wut gärte nun nur noch mehr, wer würde die Impertinenz besitzen und ungebeten sein Reich betreten. Da fiel ihm nur Nadir ein, aber er konnte sich auch nicht vorstellen, dass Nadir so leichtfertig sein Leben riskieren würde, um in seine Wohnung zu kommen, er wusste schließlich von seinen Sicherheitsvorkehrungen. Nun musste Erik erst zur dritten Versenkung und von dort über die Spiegelkammer in seine Wohnung gehen. Innerlich legte er schon mal alle erdenklichen Schimpfwörter bereit, die er Nadir an den Kopf werfen könne.

* * *


Christine hatte sich zu Erik geflüchtet, in der Hoffnung, er könne ihr verzeihen, doch er war nicht hier gewesen. Sie wollte erst gehen, entschied sich dann jedoch zu bleiben und auf ihn zu warten. Neugierig hatte sie sich umgesehen, denn ihr war nicht entgangen, dass viele der Möbel fehlten. Im Grunde fehlte fast alles, sogar der Flügel und die Orgel waren weg, lediglich zwei große Koffer, die Möbel ihres Zimmers und der „persische Katzenkorb“ waren noch da.

Sie setzte sich auf den Boden, neben der Laterne, legte ihren Kopf auf ihre Knie und wartete. Ihre Gedanken wanderten immer wieder zu jenem Augenblick, in dem sie Erik geküsst und er sie wenig später mit Raoul fortgeschickt hatte. Von da an hätte alles so schön sein können, doch es war es nicht. Raoul hatte ihr anfangs alles erlaubt, gemeinsam hatten sie die Gästeliste aufgestellt und die Einladungen bestellt und als sie ihn daran erinnerte, dass auch Erik eine Einladung brauchte, hatte Raoul sie zum ersten Mal geschlagen. Danach hatte er sie nie aus den Augen gelassen und sobald er gemerkt hatte, dass sie auch nur an Erik dachte hatte Raoul sie mit Vorhaltungen überschüttet und ihr eine Ohrfeige verpasst.

Lautlos betrat Erik das ehemalige Wohnzimmer und erkannte neben der Laterne eine zusammengekauerte Figur. „Christine.“, flüsterte er und ging ungläubig auf sie zu, denn zweifellos saß Christine hier auf dem kalten Boden. Er mochte sich in diesem Moment gar nicht ausmalen, wie lange sie hier auf ihn gewartet hatte, es musste Stunden her sein, das sie aus der Kirche geflohen war. Kurz schüttelte er den Kopf, es gab wichtigeres. Erik kniete sich zu ihr hinunter und legte ihr seinen Umhang um, doch selbst bei seiner sanftesten Berührung war sie aufgewacht.

Erik, bitte verzeih mir.“, schluchzte sie und schlang ihre Arme um seinen Hals. Sie zitterte am ganzen Körper, ob vor Kälte oder aus Angst vor Schlägen, konnte Erik erschreckenderweise nicht feststellen.

Was soll ich dir verzeihen, Christine? Ich habe dich mit ihm fortgeschickt.“, entgegnete Erik ihr ruhig und strich ihr tröstend durch ihre Haare und über ihren Rücken.

Nach einer Weile lösten sie ihre Umarmung und Christine sah sich im Raum um.

Wo willst du hin?“, fragte sie scheu, als sie merkte, dass Erik ihr die Kapuze abnehmen wollte.

Ich habe jetzt ein eigenes Haus und dort wollte ich heute Nacht einziehen. Ich bin nur noch einmal hier her gekommen, um meine letzten Habseligkeiten zu holen.“, Erik bemerkte, dass es ihr unangenehm war, die Kapuze zu lüften. „Ich will nur sehen, wie sehr sie schon abgeheilt sind.“, beruhigte er sie sanft.


Mit flehendem Blick schaute sie ihn an und er verstand sie ohne Worte. „Schon gut, ich werde nichts tun, was du nicht willst. Ich habe zu Hause eine Salbe, welche die Heilung fördert, wenn du es mir gestattest gebe ich sie dir.“, lud er sie ein mit ihm mitzukommen.

„Danke Erik.“ sagte sie und folgte ihm.

* * *


Erstaunt betrat Christine Eriks neues Heim und schaute sich neugierig um. Das Haus war großräumig und nach seinem ganz persönlichen Geschmack stilvoll eingerichtet. Es wirkte nicht so überladen, wie die Einrichtung bei Raoul, die nach dem neuesten Modetrend gestaltet war. Dieses Haus, war einfach nur Erik, alles hier schien eine Geschichte aus seinem Leben zu erzählen. Es war behaglich und von hellem Schein unzähliger Kerzen beleuchtet.


Erik war bereits vorausgegangen, während sich Christine umsah und hatte die versprochene Salbe mitgebracht. Sie betrachtete gerade die vielen Zeichnungen, die er während seiner Wanderjahre angefertigt hatte und kam aus dem Staunen, über die Orte die er schon bereist hatte, nicht mehr heraus, als er in der Tür erschien. Er stand stumm in der Tür und konnte seinen Blick nicht von ihr lassen, wie zerbrechlich sie doch wirkte.


„Du musst sie gut einreiben, dann sind die Hämatome bald verschwunden.“, riss er sie aus ihren Betrachtungen. „Was wirst du jetzt tun?“


Danke, Erik.“ Sie nahm den Tiegel entgegen und begann sich die Salbe großzügig aufzutragen. „Die Verlobung lösen, das hätte ich schon viel früher machen sollen.“, sagte sie leise und seufzte. „Ich habe alles falsch gemacht.“


„Wie kommst du darauf? Kein Mann hat das Recht eine Frau zu schlagen.“, kam es entsetzt aus Eriks Kehle, als er ihre Worte vernahm. Er selber hatte nie eine Frau geschlagen.

„Oh doch, das habe ich. Ich habe dich verletzt und dich verloren. Ich frage mich, warum du mir überhaupt noch hilfst.“, meinte sie traurig und wollte gehen.


„Du hast mich nicht verloren, Christine. An meinen Gefühlen hat sich nichts geändert und wird sich auch nie etwas ändern. Wenn ich noch eine winzige Chance hätte, dein Herz und deine Liebe zu erobern, so würde ich vor dir auf meine Knien fallen und dich, wie ein Kavalier um deine Hand bitten.“, sagte er sanft und lächelte sie an.


„Aber ich habe dich nicht verdient, ich bin wahrscheinlich nicht mal mehr dein Engel.“, entgegnete sie verzweifelt und lief an Erik vorbei, sie ertrug es einfach nicht länger. Er sprach von Liebe für sie, wo sie ihn doch verraten hatte und nicht einmal hatte auf Wiedersehen sagen wollen.


Schnell eilte er ihr hinterher und drehte sie sanft zu sich um. „Sag so etwas nicht. Natürlich bist du das. Wie könntest du nicht mehr mein Engel sein, denn du allein hast mich gelehrt zu lieben. Bitte bleib bei mir.“, bat Erik Christine mit tränenerstickter Stimme.


Hoffnung keimte in ihren Augen, davon hatte sie geträumt und hatte doch kaum damit gerechnet, dass Erik sie wieder haben wollte. Glücklich umarmte sie ihn und streifte sich dabei Raouls Verlobungsring von der Hand und legte ihn auf den kleinen persischen Tisch, der neben ihr stand. Ebenso glücklich erwiderte Erik die Umarmung und führte sie ins Wohnzimmer, wo neben dem Kamin eine große ungeschmückte Tanne stand, die Jules vor zwei Tagen unaufgefordert geliefert hatte.


Nachdem sich Christine in ihrem Zimmer eingerichtet hatte, war sie wieder zu Erik gegangen, der am Sekretär im Wohnzimmer saß und Tinte, Papier und Feder hervorholte. „Falls du dem Vicomte eine Nachricht zukommen lassen möchtest.“, meinte er, als Christine zu ihm kam.


„Danke, das werde ich.“, sagte sie und hielt den Ring wieder in ihrer Hand. „Warum ist der Baum nicht geschmückt?“, fragte sie verwundert und setzte sich, um an Raoul einen Brief zu schreiben.


„Ich hatte bisher kein Interesse an Weihnachten, bisher hatte ich nie ein wirklich schönes Weihnachtsfest. Aber heute Nacht ist mir ein Weihnachtswunder widerfahren.“, entgegnete er und holte aus dem Schrank eine große Kiste in der eine Menge Baumschmuck war, Kugeln, Bänder, Strohsterne, Glocken, lange Ketten, kleine Figuren aus Stroh und Holz. „Wenn du willst, können wir den Baum nachher gemeinsam schmücken.“


„Oh ja, das machen wir.“, meinte sie freudestrahlend und verfasste schnell den Brief an Raoul. Sie steckte den Ring hinein und übergab den Brief an Jules, der inzwischen gekommen war und sich gewundert hatte, als er Christine im Wohnzimmer erblickte.


Ohne Fragen zu stellen, war Jules wenig später zum Haus des Vicomtes geeilt und hatte die Nachricht überbracht.


Während Raoul die Nachricht von der Lösung der Verlobung erhielt, schmückten Erik und Christine gemeinsam den Baum. Erik reichte ihr die Kugeln und den übrigen Schmuck und Christine hängte alles an den Baum. Sie wollte noch weiter oben einige Strohsterne und Äpfel hängen und da sie nicht groß genug war, wollte sie gerade einen Stuhl holen. Doch Erik hob sie, als wäre sie leicht wie eine Feder hoch und so konnte sie ohne Mühe, den restlichen Baum schmücken.


„Hier für die Spitze ein großer Weihnachtsengel.“, meinte er, als er aus einem alten Kästchen die letzten Überreste des letzten Weihnachtsbaumes hervorholte. Der alte Engel, den er schon als Kind am Weihnachtsbaum bewundert hatte, hatte den damaligen Brand erstaunlich gut überstanden.


„Der ist aber schön.“, rief sie entzückt aus und setzte ihn, mit Eriks Hilfe, auf die Spitze.

Später saßen sie gemeinsam vor dem Kamin unterm Weihnachtsbaum und genossen die friedlichen Festtage. Erik war so unglaublich glücklich. Dies war wahrlich sein erstes richtiges Weihnachten, mit allem was er sich schon immer gewünscht hatte, es war perfekt.


„Ich habe nicht einmal ein Geschenk für dich.“, flüsterte Christine, als Erik eine Weihnachtsmelodie zu summen begann.


„Doch das hast du.“, widersprach er ihr liebevoll. „Deine Liebe ist dein Geschenk, so wie meine dein Geschenk ist.“ Zärtlich strich er über ihr Gesicht und blickte sie verliebt an. Er verlor sich in ihren blauen Augen und ehe er überhaupt begriff was geschah, fühlte er ihre weichen Lippen auf seinen.


Draußen rieselten noch immer die Schneeflocken herab und setzte sich an den Fenstern ab und besahen dieses Weihnachtswunder. Keine materiellen Dinge, nur die Liebe des anderen waren ausreichend, dass sie reich beschenkt waren. Konnte es etwas Schöneres geben, als das Geschenk der Liebe, am Fest der Liebe?