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Leibwäsche
Die Unterwäsche im 19. Jahrhundert war zum Teil sehr bequem, wenn man sich auf Chemise und Beinkleid häte beschränken können. Alles war weit, man könnte sagen sackartig, aber mit Stickereien, Spitzen doch hübsch anzusehen. Als verführerisch im heutigen Sinne kann man sie zwar nicht bezeichnen, aber sie hielt warm und schützte die Kleidung vor körperlichen Ausdünstungen. Das Korsett hingegen, wird oft als Folterinstrument verschrieen und hat sich in der heutigen Zeit als erotisches Kleidungsstück erhalten, war dennoch tägliche Pflicht im Ankleideritus. Eine Frau die es sich leisten konnte oder in der Stadt lebte, hatte ein Korsett, sofern frau nicht Anhängerin der Reformbewegung war. Selbst für die arbeitende Frau gab es erschwingliche und weniger gepanzerte Modelle, diese waren dann mit Schnüren versteift und hatten nur wenige Stäbe aus Stahl oder Walknochen. Je weniger eine Frau arbeiten musste, umso mehr hatte sie Zeit sich um ihre Erscheinung zu kümmern und die begann beim Ankleiden, nach Chemise und Beinkleid mit dem Anlegen des Korsetts. Nicht jede Frau hat sich extrem geschnürrt, Horrorgeschichten über sterbende Frauen und Ohnmachten gab es durchaus, aber die Mehrheit der Frauen schnürten wohl eher moderat. Dies zeigen auch originale Photographien, bei Gelegenheit werde ich einmal meine Familienphotographien durchstöbern und entsprechende Bilder einstellen.

Nach Chemise, Beinkleid, Strümpfen und Korsett, es empfiehlt sich die passenden Schuhe vor dem anlegen des Korsetts anzuziehen, sofern man keine Kammerzofe hat, die einem beim Ankleiden behilflich ist, kommen noch die Unterröcke. Ein Anstandsunterrock, meist mindestens knielang war üblich, darüber kam dann, je nach Modelinie, die Tournüre, jenes Gestell welches den Rock am Hinterteil betonte und unterschiedliche Ausßmaße annahm.

Aus der eliptischen Krinoline formte sich die Tournüre, die vorne flach war und nur noch das Gesäß betonte. Während der ersten Tournürenzeit, die sog. Frühe Tournüre, war der Unterbau noch mäßig ausgeprägt und hielt sich 5-6 Jahre. Dann plötzlich verschwand die Tournüre, sie blieb höchstens als Auflage und Art Stabilisierung für die Schleppen, gelegentlich wird jedoch ein kleines Kissen getragen, so wirkt es auch zum Ende der Engen Mode mit ihren langen Taillen und körperbetonten Kleidern. Und dann war sie wieder da, um 1883 tauchte die Tournüre, nun wieder Cul de Paris genannt, wieder auf. Bei ihr wird die Auflage deutlich größer, fast rechtwinklig stehen die Röcke ab, so das man wirklich versucht wäre seine Teetasse abzustellen.

Je nach Fertigung des Rockunterbaus wurde ein weinterer Unterrock erforderlich, um das Durchdrücken der Stahlreifen zu vermeiden, was wahrlich unschön aussieht, wenn man die einzelnen Reifen abzählen kann.

Wie bei der Oberkleidung, so erkennt man auch an der Wäsche den gesellschaftlichen Stand. Wer es sich leisten kann bevorzugt weiße Wäsche, denn diese ist damals am schwierigsten zu pflegen. Waschmittel mit Bleiche gab es noch nicht, Waschen grundsätzlich war anstrengend und nahm mitunter einen ganzen Tag ein, wenn nicht mehr. Wollte man weiße Wäsche bleichen, blieb nur eine saftig grüne Wiese und ganz viel Sonnenschein. Und je aufwendiger Spitzen, Bänder, Stickereien und Stoffe waren, umso teurer. Die normale Frau trug eher naturfarbene, einfache Wäsche aus festen Stoffen, die nicht so schnell zerschlissen.

Leib- und Hauswäsche beinhaltet natürlich auch das Nachtgewand, das lang und langärmelig war und natürlich Schürzen, die über der Kleidung zur Arbeit getragen wurden.

Und um dies nun bildlich darzustellen, kommen meine Reproduktionen für die verschiedensten Wäschestücke.  Da sich bei der Wäsche keine großen Unterschiede ergeben, wird hier nicht in die einzelenen Modelinien unterschieden oder Zeiten angegeben, dies geschieht nur bei den Rockunterbauten.



Einfache Leibwäsche

Ballwäsche

Aufwendige Leibwäsche

Trauerwäsche

Korsetts

Unterröcke

Rockunterbauten

Nachtwäsche

Hauswäsche


Watteau-Mantel

Pantoffeln

Wäschebeutel